SOPA

Vor einer Woche fand ein sehr wichtiges historisches Geschehen statt, das, wenn es kein internationales Zusammenhalt gegeben hätte, wer weiß in welche Richtung geführt hätte. Letzte Woche Mittwochs trafen sich nämlich die US-amerikanische Politiker, um über das Leben, die Rechte und Privilegien der Internet-User zu debattieren. Diejenige von ihnen, die vielleicht immernoch nur den Windows Editor benutzen können, waren fest davon überzeugt, dass man die Vorschriften noch mehr strengen sollten.

Aus Wild West sollte  November 1938 werden

Man kann nicht sagen, dass das Leben im Internet heute allzu frei sein wäre. Es herrscht keine Anarchie, die man mit unmenschlichen Gesetzen ein Ende setzen muss. Zwar gibt es auch heute noch Probleme, dennoch bin ich der Meinung, dass der digitale “gesellschaftliche Raum” dem Wilden Westen ähnelt. Man findet die Hackers, also die Indianer, die uns mit Spams attackieren, es gibt auch coole, gute Hacker, die könnten die Cowboys sein. Dann gibt es die Ganoven, die ständig kostenlose Musik herunterladen und uns mit blöden Videos auf Youtube nerven und  die Leuten, die nur ihr Leben leben wollen, und ihre Lieblingsbands dank Vevo auch online hören können. Schließlich kommen die Rangers, die nach Online-Dieben suchen. Dieser ganzer Vielfalt an Rollen wollte dann die SOPA “Stop Online Piracy Act“ ändern. Es sollte nur zwei Gruppen geben: die Ermittler und die Verdächtigen. Die Schuldigen, die einem Rihanna-Song aus dem Netz gedownloadet haben, müssen dann 5 Jahre im Knast sitzen. Das ist einen Jahr mehr, als Conrad Murray sitzen muss!

Weltweiter Protest gegen einem Entwurf, der nur die USA betrifft

Zwar sollte SOPA nur in den Staaten eingeführt werden, erkannten die Menschen die Katastrophe, die sich in ein paar Jahren auf der ganzen Erde verbreiten könnte. Deshalb nahm an die Proteste fast die ganze Internetbevölkerung teil. Unzählige Webseiten von verschiedenen Internet-Riesen wurden an dem Mittwoch als Zeichen des Protests lahmgelegt. Wikipedia, Google, WordPress, Techcrunch wurden entweder für 24 Stunden deaktiviert, oder zeigten sich mit schwarzen Hintergrund. Mark Zuckerberg postete seine Meinung auf Facebook, zahlreiche Memes kursierten durch die ganze Welt. Auch deutsche Websites nahmen daran teil, unter anderen die Grünen, Chaos Computer Club und natürlich die Piratenpartei.

Keine Gefahr für heute – aber was wird morgen sein?

Als die Computergenies in Washington mit diesen Protesten konfrontiert wurden, ließen sie den Entwurf erstmals ruhen. Das Thema wurde aber nicht von der Tagesordnung genommen, das heißt die Gefahr besteht immernoch, dass die “Verstaatlichung” der digitalen Welt irgendwann Wirklichkeit wird.

Megaupload für immer außer Gefecht

Der erste Schlag ins Gesicht kam dann zwei Tagen danach, als der Erfinder von Megaupload, Kim Schmitz in New Zealand verhaftet wurde und das ganze Megaupload, Megavideo Server aus Hong Kong ausschalten werden musste. Die US-amerikanische Staatsanwaltschaft verordnete die Verhaftung, obwohl das SOPA Gesetz nicht ins Leben trat. Interessant ist natürlich auch der Timing. Warum Kim “Dotcom” gerade jetzt verhaftet werden musste, und warum er nicht früher wegen 42 Millionen Dollars vor Gericht gebracht wurde, ist vielleicht nur für Lamar Smith klar.

Die Gegenreaktion kam natürlich wenige Minuten nach der Nachricht. Anonymus legte die FBI-Homepage und weitere wichtige Websites lahm. Tausende von Robin-Hood-Hackers nahmen ihre Stellung und bereiten sich auf die Offensive und Rache wegen Megaupload.

Ich könnte lange Monologen darüber schreiben, warum die SOPA eher eine Katastrophe als eine Rettung sein wird, und wie es die Entwicklung der Technik, Wissenschaft und die Integration von Menschen hemmen wird, nur damit es offensichtlich wird, dass der Einfluss des freien Internets eine unglaublich große Wirkung auf unserem Leben hat.

Schnelle Wende

Zwar zog Smith den Entwurf am Samstag zurück. “I have heard from the critics and I take seriously their concerns regarding proposed legislation to address the problem of online piracy,”. Endlich mal ein vernunftiges Outing. Doch man darf sich nicht all zu sehr darüber freuen, dass der ganze Aufruhr in den letzten Tagen tatsächlich erfolgreich war, denn der Entwurf blieb immer noch am Leben, man will sich weiter mit der idee beschäftigen. Nicht ist mehr sicher.

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Eine Antwort auf SOPA

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